Werfen wir mit Yoshi Matsuno zunächst einen kurzen Rückblick auf:

Die "Zehn Welten" sind ein Versuch des Lotos-Sutra, die möglichen Seinszustände des Lebens zu beschreiben. Der erste Seinszustand wird als "Hölle" bezeichnet. Die Hölle ist gekennzeichnet durch Hoffnungslosigkeit und Ausweglosigkeit. In diesem Seinszustand empfindet sich ein Mensch als völlig hilflos und ausgeliefert. Die zweite Welt oder der zweite Seinszustand heißt "Hungergeister". Hier ist man nie zufrieden. Egal was man bekommt, man möchte noch mehr. Man hat Hunger nach Zeit, nach Ruhm, nach Liebe, nach Geld - und bekommt nie genug. Der dritte Seinszustand wird als "Tierhaftigkeit" bezeichnet. Ein Mensch im Zustand der Animalität lebt völlig im Instinkt verhaftet. Er ergreift dem Stärkeren gegenüber sofort Schutzmaßnahmen oder flieht. Den Schwächeren greift er dagegen sofort an. Das ist die ganz natürliche Lebensweise der Tiere, die ihr Leben erhalten wollen und instinktiv hier und jetzt um ihr Überleben kämpfen. Der vierte Seinszustand heißt "Ashuras" - man weiß alles besser als andere und will besser sein als sie. Ärger und Überheblichkeit als ständiger oder häufiger Lebenszustand ist ein Ausdruck der Arroganz und letztlich die Ursache für Streitigkeiten und Kriege. Der fünfte Seinszustand beschreibt die Welt der "Menschliche Wesen". Man könnte diesen Zustand auch "Beschaulichkeit" nennen. Menschen im Seinszustand der Beschaulichkeit richten sich in ihrem Leben in aller Ruhe und Gemütlichkeit ein. Es ist ein angenehmer, aber auch passiver, etwas dumpfer Zustand. Der sechste Seinszustand oder die sechste Welt heißt "Himmlische Wesen". Er beschreibt einen Zustand der kurzfristigen Freude. Solch eine Freude entsteht durch einen äußeren Reiz - man hat im Lotto gewonnen oder ein äußeres Ziel erreicht. Vorübergehende Freude kommt nicht von innen und ist immer kurzfristig, nie dauerhaft. Die Seinszustände von der Hölle bis zum Himmel sind ganz normale, alltägliche Lebenszustände des Menschen, sie halten uns allerdings gefangen, wenn wir uns nicht darüber hinaus entwickeln. Ein buddhistisches Sutra beschreibt diese ersten sechs Seinszustände mit einem Bild: Ein Haus hat sechs Fenster, und darin lebt ein Affe. Der Affe schaut ständig ruhelos aus irgendeinem der Fenster nach draußen, aber - er ist für immer in diesem Haus gefangen. Mit der siebten Welt verlässt der Mensch das enge Haus. Dieser siebte Seinszustand ist der "Stimmenhörer": In diesem Zustand möchte man mehr über sich und das Ganze wissen, da gibt es Forschergeist, Wissbegier und Reflektion. Das Triebhafte ist überwunden, der Egoismus ist aber immer noch vorhanden. Der achte Seinszustand heißt "Zur Ursache Erwachte". Man hört an dem Begriff schon, dass hier die Spiritualität schon etwas weiter entwickelt ist. Aber es gibt eine Begrenzung. Nichiren Daishonin beschreibt diesen Zustand so: Ein Mensch steckt in einem tiefen Loch, schaut nach oben und sieht dort ein Licht. Er denkt: Ich habe das Licht! Was er nicht weiß ist, dass er noch immer im Loch feststeckt. Das Loch ist die Ichbezogenheit. Und ein Mensch mit ichbezogener Spiritualität hat etwas ganz Fundamentales noch nicht begriffen - die Einheit. Für die neunte Welt oder den neunten Seinszustand haben wir bis jetzt noch keine gute deutsche Übersetzung gefunden, deshalb verwenden wir das Sanskrit-Wort "Bodhisattva". Ein Bodhisattva setzt sich mit Freude für das Glück der anderen ein und scheut sich nicht, das eigene Leben für diese Aufgabe zu geben. Der Zustand des Bodhisattva ist eng verzahnt mit der zehnten Welt, dem Seinszustand des Buddha; denn der Buddha arbeitet als Bodhisattva in der Gesellschaft. Über den zehnten Seinszustand "Buddha" sagt Nichiren, dass er sehr schwer zu beschreiben und schwer zu fühlen ist. Mit Logik und Vernunft kann man den Buddhazustand eben nicht begreifen und darum auch nicht mit Worten erschöpfend erklären. Selbst wenn man denkt, man hat es verstanden - wenn das nur ein Gedanke ist, dann hat man es nicht verstanden. Man muss die Buddhaschaft verwirklichen, dann hat man verstanden, was das ist. Vielleicht hilft uns aber ein Bild weiter: Wenn man die zehn Seinszustände mit einem Orchester vergleicht, dann sind die ersten neun Welten hörbar und sichtbar - wie die Musiker im Orchester: Sie haben eigene Musikinstrumente, eigene Ausdrucksmöglichkeiten. Ein Buddha tritt aber als Dirigent auf. Seine Musik ist nicht direkt zu hören, sondern er inspiriert die neun Musiker zu einer ganz besonderen Harmonie, einer "Buddha-Symphonie". Wenn man diesen Dirigenten im eigenen Leben nicht entdeckt und nicht dirigieren lässt, dann spielen im Orchester entweder alle durcheinander oder Hunger, Ärger oder Beschaulichkeit übernehmen den Platz des Dirigenten. Dann spielt das ganze Orchester ständig Hunger- oder Ärger- oder Beschaulichkeits-Lieder! Gleichzeitig ist man sich dessen aber nicht bewusst, weil man das eigene Leben gar nicht genau genug ansieht und versteht. Das ist der Unterschied zwischen einem Leben mit oder ohne Gohonzon: Wer ernsthaft vor dem Gohonzon praktiziert, fängt an zu verstehen, wie das eigene Leben funktioniert, un aktiviert den "Buddha-Dirigenten".

Und noch mal Yoshi:

Das Gegenseitige Enthaltensein der Zehn Welten ist das weiterführende, sehr bedeutsame Prinzip. In den buddhistischen Sutras, die vor dem Lotos-Sutras entstanden, wurden die zehn Seinszustände als getrennt voneinander erläutert, wie ein Stufenweg: Man fing auf irgendeiner Stufe an und arbeitete sich dann zur nächsten vor. Wenn man auf der ersten Stufe war, enthielt man nichts vom zweiten oder fünften oder neunten Zustand in sich. Deshalb lehrten die Sutras auch nicht, dass jeder Mensch die Buddhaschaft in sich trägt - diese Stufe war weit weg und man msste sich erst über viele Zwischenstufen hocharbeiten, bis man dorthin kam.

Das Lotos-Sutra hat einen ganz anderen Ansatz. Es erklärt: Auch wenn sich ein Mensch im Höllezustand befindet, trägt er den Buddhazustand schon i sich und kann ihn sofort verwirklichen. Das gilt ausnahmslos für jeden Menschen: So wie wir im Moment sind, tragen wir den Buddhazustand schon in uns und können ihn sofort verwirklichen. Das Lotos-Sutra lehrt die unmittelbare Befreiung für jeden Menschen. Ohne dieses Prinzip wäre der Buddhismus deterministisch und diskriminierend: Dann gäbe es im Grunde überhaupt keine freie Entfaltungsmöglichkeit, keine Spontaneität und Kreativität - jeder würde sich auf einer schmalen, vorgezeichneten Linie entlang bewegen. Und ein Buddha wäre für immer von den neun Welten befreit - während er in der Sicht des Lotos-Sutra in den neun Welten wirkt. Das ist eine ganz andere Vorstellung von dem, was es heißt, ein Buddha zu sein.

Jetzt kommen wir zum Thema

Die drei Bereiche1 beschreiben dann, wo sich die zehn mal zehn Welten mal zehn Faktoren manifestieren, wo das Ganze sich abspielt. Zunächst einmal im Körper einer einzelnen, fühlenden Person. Dann aber auch in der Ansammlung mehrerer fühlender Personen, also in einer Gesellschaft. Und da die Menschen nicht getrennt von ihrer Umgebung existieren können, auch in ihrer Umwelt.

Sobald ein individuelles Leben in Erscheinung tritt, wenn also ein Mensch geboren wird oder auch ein Tier, dann verfügt es sowohl in körperlicher als auch in geistiger Hinsicht über einzigartige Merkmale. Jedes einzelne Leben ist einzigartig und individuell, das ist eine Folge seines persönlichen Karmas aus der Vergangenheit.

Fünf Komponenten kommen im Moment der Manifestation ins Leben langsam zusammen. Vom Augenblick der Zeugung an beginnt das individuelle Leben, die Person nimmt im wahrsten Sinne langsam Form an. Der Gehörsinn ist bereits im Mutterleib aktiv und liefert erste äußere Informationen. Die Augen funktionieren auch nach der Geburt erst mal nur sehr eingeschränkt, Geruchswahrnehmungen sind wichtig in den ersten Monaten.

Und dann vertieft sich die Einzigartigkeit dieses Lebewesens durch das Zusammenspiel der fünf Komponenten und in Abhängigkeit von seiner sozialen und der natürlichen Umgebung. Im Laufe der Jahre verfestigen sich die karmischen Ursachen aus der Vergangenheit - zusammen mit dem in dieser neuen Existenz Erlebten und Bewertetem, Gedanken, Worte und Taten - immer mehr zu einer Persönlichkeit.

Präsident Ikeda sagt: "Die verschiedenen Persönlichkeiten der Menschen unterscheiden sich aufgrund der Wirkungsweise der fünf Komponenten, denn sie bestimmen, wie ein Mensch auf die Wirklichkeit reagiert und folglich, wie er die Wirklichkeit sieht. Das Zusammenspiel zwischen den fünf Komponenten ermöglicht eine unendliche Vielzahl an geistiger und körperlicher Aktivität."

Die Welt/Bereich der fünf Komponenten 五陰世間 (go-on seken):

Form, Wahrnehmung, Vorstellung, Wille und Bewusstsein.

- Form umfasst alles, was den Körper und seine Sinnesorgane ausmacht, durch die man die Außenwelt wahrnimmt.

- Wahrnehmung bezeichnet die Funktion, äußere Informationen über die Sinnesorgane aufzunehmen oder zu erfassen.

- Vorstellung bezeichnet die Funktion, durch die man das Wahrgenommene begreift und sich eine Idee oder ein Konzept davon bildet.

- Wille bezeichnet die Bereitschaft auf das Wahrgenommene, von dem man sich eine Vorstellung gebildet hat, zu reagieren, eine Handlung einzuleiten oder einfach nicht zu reagieren und untätig zu bleiben.

- Bewusstsein ist die kognitive Unterscheidungsfunktion, welche die Komponenten Wahrnehmung, Vorstellung und Wille integriert. Es unterscheidet ein Objekt von allen anderen, erkennt dessen Eigenschaften und trifft Werturteile, wie etwa die Unterscheidung zwischen Richtig und Falsch.

Form, das ist der 'physische Aspekt des Lebens'. Bewusstsein gilt als der 'Geist an sich', während die Komponenten Wahrnehmung, Vorstellung und Wille als 'geistige Funktionen' angesehen werden. Gemäß dem Prinzip der Einheit von Körper und Geist bilden die fünf Komponenten eine untrennbare Einheit. Da die organischen Bestandteile eines Körpers natürlicherweise vergänglich sind und das Entstehen des Bewusstseins von den Sinnesorganen, Sinneseindrücken und deren Verarbeitung abhängt, endet das Zusammenspiel der fünf Komponenten mit dem Tod.

Daher heißt es auch: Alle Lebewesen, gleich in welchem Lebenszustand, sind Ausdrucksformen des zeitweiligen Zusammentreffens der fünf Komponenten.

Die japanische Bezeichnung go-on bedeutet fünf 五(go) und Bestandteile 陰(on) oder Komponenten. Dieses on trägt in sich auch noch die ursprünglichen Bedeutungen 'ansammeln' und 'verdunkeln oder verhüllen'. Ansammeln bedeutet, dass die fünf Komponenten die Färbung des Karmas angenommen haben, welches das individuelle Lebewesen in aufeinander folgenden Existenzen angesammelt hat und bewirken so das Ansammeln weiteren Karmas in einer bestimmten persönlichen karmischen Tendenz.

In den sechs niederen Welten bewirken die fünf Komponenten, dass das die eigene Buddhanatur verhüllt und die Wahrnehmung der Buddhanatur anderer verdunkelt wird. Man spricht von Dunkelheit bezüglich der fundamentalen Erkenntnis oder der so genannten fundamentalen Dunkelheit. Der Mensch verfängt sich in Illusionen und ist nicht in der Lage, die Dinge richtig zu sehen oder im Leben das Richtige zu tun. Das 'Leiden aus den fünf Komponenten' ist eines der so genannten acht Leiden.2

Die fünf Komponenten verursachen also Illusionen und fundamentale Dunkelheit und bewirken wiederum das Ansammeln von entsprechendem Karma.

Natürlich besitzen auch Menschen in Zustand der Buddhaschaft die fünf Komponenten. Hier führen sie eher zu unzerstörbarem Glück als zu Leiden und haben eher die Qualität von Barmherzigkeit als von Illusion.

(2) Der Bereich oder die Welt der fühlenden Wesen 衆生世間 (shujo seken), das ist die Welt der verschiedenen Menschen, Tiere, Vögel, Insekten, alles außer Bäumen und Pflanzen. Alles, was ein Gehirn und ein zentrales Nervensystem hat. Es gibt ja auch Abstufungen dieser sozialen Umgebung, Menschen und Tiere, die uns tatsächlich nahestehen, unsere Familie, unsere Kollegen am Arbeitsplatz, unser Freundes- und Bekanntenkreis, die Kölner, die Westfalen, die Hessen, die Württemberger, die Bayern, die Ossies, die Deutschen, die Belgier, die Holländer, … die Bewohner dieses Planeten.

(3) Der Bereich der Umwelt 国土世間 (kokudo seken) (wörtlich: Land-Boden-Welt): Der Ort oder das Land, an dem Lebewesen wohnen und ihre Lebensaktivitäten entfalten. Der Zustand des Landes spiegelt den Lebenszustand der dort lebenden Menschen wider. In der antiken Kosmologie dachte man sich verschiedene Länder für die Vertreter der zehn Welten, also eine Hölle, eine Unterwelt, das Land der hungrigen Geister, eine Tierwelt, die Welt der streitbaren Halbgötter (Ashuras), die Umwelt der Menschen und den Himmel der Götter. Das 'Land des Übergangs' für Menschen der Zwei Fahrzeuge, das 'Land der Tatsächlichen Belohnung und des Nicht-Hindernisses' für Bodhisattwas und das 'Land des Ewig Ruhigen Lichts' für Buddhas. Ein Land manifestiert eine der Zehn Welten, je nachdem, welche der Zehn Welten im Leben seiner Bewohner vorherrscht. Das war die Idee. Im Jigage des 16. Kapitels des Lotos-Sutra erklärt der Buddha allerdings: "Ich bin immer hier, predige das Gesetz." (Jo ju shi seppo.) und offenbarte damit, dass die von irregeleiteten gewöhnlichen Sterblichen bewohnte Welt selbst das Land des Ewig Ruhigen Lichts ist.

Im Neujahrsbrief schreibt Nichiren: "Zunächst zu der Frage, wo genau sich die Hölle und der Buddha tatsächlich befinden: In einem Sutra heißt es, die Hölle sei unter der Erde, und in einem anderen, der Buddha weile im Westen. Bei genauerer Betrachtung wird jedoch klar, dass beide in unserem fünf Fuß großen Körper vorhanden sind."3

Dasselbe Land manifestiert für verschiedene Individuen also auch unterschiedliche Welten. Daher sagt Nichiren: "Es gibt nicht zwei Arten von Ländern, die an sich rein oder unrein sind. Der Unterschied liegt allein im Guten oder Bösen unserer Herzen."4 Mit dieser Aussage wandte sich Nichiren gegen die verbreitete Ansicht, es gäbe getrennt voneinander existierende unreine und reine Länder.

Diese drei Bereiche werden isoliert betrachtet, um sie zu analysieren und zu verdeutlichen, in der Realität bilden sie aber eine untrennbare Einheit, eine integrierte Ganzheit, die simultan jeweils eine der Zehn Welten manifestiert.

Die drei Bereiche können als theoretische Basis der Vorstellung von Escho Funi, der Untrennbarkeit von Leben und Umgebung, betrachtet werden. Jeder einzelne Mensch verfügt über ein einzigartiges ich, gepaart mit einem einzigartigen Leben und einer einzigartigen Umgebung, die direkt auf Veränderungen im Inneren dieses Menschen reagieren und umgekehrt.

Yoshi hat gesagt:

Viele buddhistische Prinzipien enthalten den Begriff "funi": "zwei und doch nicht zwei". Äußerlich scheint etwas voneinander unterschiedlich zu sein, aber in der Essenz ist es eigentlich dasselbe. Materie und Geist - zwei und doch nicht zwei. Meister und Schüler - zwei und doch nicht zwei. Genau so ist es auch beim Menschen und seiner Umgebung: Sie erscheinen als zwei, sind aber doch nicht zwei. Deshalb heißt dieses Prinzip "esho funi". Der Mensch ist frei und kann sich individuell entfalten, aber er lebt nicht getrennt von seiner Umgebung. Wir fühlen uns gut oder schlecht gelaunt, je nachdem, wie draußen das Wetter ist. In den Nachrichten wird heute sogar das "Biowetter" angesagt. Die Gravitationskraft von Mond und Sternen übt einen messbaren Einfluss auf uns aus, niemand kann sich davon isolieren. Diese Erkenntnis bildete ja auch den zweiten Teil der Erleuchtung des Buddhas: Nichts im Universum entsteht von allein, alles steht miteinander in Zusammenhang. Die enge Beziehung zwischen Körper und Umgebung findet man sogar in unserer Biologie wieder: Unsere Körperflüssigkeit ist chemisch genau so zusammengesetzt wie Meerwasser. Der Mensch hat im Laufe seiner Evolution das Meer schon vor Jahrmillionen verlassen - aber trotzdem gibt es in uns immer noch Meerwasser. Wir haben unsere Umgebung mitgenommen! Umgekehrt gilt es aber genau so: Auch unsere Umgebung existiert nicht von uns getrennt. Nichiren Daishonin sagt, die Beziehung zwischen uns und unserer Umgebung sei so eng wie "der Körper und sein Schatten". Ein Schatten ist nicht einfach so da, sondern sieht dem Körper, der ihn wirft, ziemlich ähnlich. Es gibt dicke Schatten, dünne Schatten, große, kleine - sie sind so verschieden wie die Menschen. Der Schatten ist nicht identisch mit dem Körper, er ist etwas anderes - aber er spiegelt den Körper wider. Ohne den Körper würde es diesen Schatten so nicht geben. Genau so ist es auch mit Mensch und Umgebung: Sie sind nicht identisch, aber die Umgebung spiegelt den Lebenszustand des Menschen wider. Ohne den Menschen gäbe es die Umgebung in dieser Form nicht; beide sind untrennbar. Deshalb ermutigt uns der Buddha: "Wenn du dich in deiner Umgebung unglücklich fühlst, ergreife die Initiative und ändere dich. Indem du dich änderst, änderst du auch die Umgebung." Es geht also nicht darum, passiv zu bleiben und über die schlechten Umstände zu klagen, sondern die wichtige Botschaft des Prinzips von esho funi ist konkret und aktiv: Wir können unsere Umgebung beeinflussen, indem wir uns selbst verändern. 

Fußnoten:

1. Drei Bereiche der Existenz [三世間] (san-seken): 1. der Bereich der fünf Komponenten, 2. der Bereich der Lebewesen und 3. der Bereich der Umwelt.

Dieses Konzept tauchte ursprünglich in Nagarjunas Daichido-ron (Abhandlung über die große Vollkommenheit der Weisheit) auf. Nagarjuna war ein bedeutender buddhistischer Gelehrter des 2. Jhs., siehe: [https://de.wikipedia.org/wiki/Nagarjuna]

T’ien-t’ai (538–597) übernahm es als Bestandteil seiner Lehre von den dreitausend Welten in einem einzigen Augenblick des Lebens. Das Konzept der drei Bereiche der Existenz betrachtet das Leben aus drei verschiedenen Blickwinkeln und erklärt die Existenz individueller Leben in der realen Welt. Die fünf Komponenten, das Lebewesen als deren vorübergehende Verbindung sowie die Umwelt dieses Wesens manifestieren zu jedem beliebigen Zeitpunkt dieselbe der Zehn Welten.

2. Die acht Leiden: Die grundlegenden Leiden des Lebens. Neben den vier Leiden von Geburt, Alter, Krankheit und Tod sind dies: von seinen Lieben Abschied nehmen zu müssen, denjenigen zu begegnen, die man hasst, dasjenige nicht erlangen zu können, das man begehrt und Leiden, die aus den fünf Komponenten herrühren.

3. Gosho 172 – Neujahrsbrief, SND, 1388

4.Gosho 1 - Über die Verwirklichung der Buddhaschaft in diesem Leben, hier auf: https://dubistbuddha.de/index.php/gosho-u-bersetzungen/u-ber-die-verwirklichung-der-buddhaschaft

 

Quellen:

Richard Causton - Der Buddha des Alltags, S. 197ff

Yasuji Kirimura - Grundzüge des Buddhismus, S. 135ff

https://www.nichirenlibrary.org/en/dic/Content/T/165

Interview mit Yoshi Matsuno – Häufige Fragen – Für Anfänger

 

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