Achtung! Diesen Beitrag gibt es auch zum Anhören! 
Auf dieses Wort klicken: >>> Soundfile <<<
Über den Autor:

Dr. Yoichi Kawada leitete (seit 1988) neunundzwanzig Jahre lang das Institut für Orientalische Philosophie (IOP - Foto rechts). Im März 2017 wurde er zum Berater ernannt. Während seiner Amtszeit als Direktor verantwortete Dr. Kawada die umfangreichen Forschungsprogramme des Instituts, die sich mit der Schnittstelle zwischen ostasiatischen philosophischen Perspektiven und aktuellen globalen Themen – wie Menschenrechten, Umweltschutz und Bioethik – befassen. Zudem ist Kawada Mediziner und promovierte an der Universität Kyoto (Japan) im Fach Immunologie; als anerkannter Experte für die Geschichte der buddhistischen Medizin bringt er buddhistische Denkansätze in zeitgenössische Themenbereiche wie Bioethik sowie die medizinische und klinische Praxis ein.
Am 2. April 2000 sowie am 16. September 2001 hielt er in Walldorf Vorträge zum Thema: Die Bewusstseinsschichten des Menschen aus buddhistischer Sicht. Der zweite Teil des Vortrags wurde nur eine Woche nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center in New York gehalten, daher geht Herr Kawada in seiner Einleitung darauf ein.
Vortrag von Dr. Kawada in Walldorf am 16. September 2001
Heute werde ich meinen Vortrag aus dem letzten Jahr fortsetzen und zunächst kurz zusammenfassen, was ich damals gesagt habe.
Zur Einführung in das Thema "Neunte Bewusstseinsschicht" möchte ich etwas zum Terroranschlag in New York sagen. Hierzu haben SGI-Präsident Daisaku Ikeda und die SGI-USA eine Botschaft an den amerikanischen Präsidenten Bush geschickt. Präsident Ikeda hat sein tiefes Bedauern über die Geschehnisse zum Ausdruck gebracht und dem "Land der Freiheit" Amerika Mut zugesprochen. Insbesondere bittet er die Mitglieder der SGl in Amerika, unsere Bewegung weiter fortzusetzen. Er sagt, die grundlegende Lösung liege darin, dass jeder einzelne eine Verbindung von Herz zu Herz zu anderen schafft. Über die Bedeutung dieser Aussage möchte ich kurz sprechen.
Präsident Ikeda sagte in seinem Friedensvorschlag1: "Wenn man vom Frieden spricht, ist er schon nicht mehr so weit entfernt. Die Welt wird Schritt für Schritt in Richtung Frieden gehen, wenn jeder die anderen wertschätzt und durch sein eigenes Verhalten die Kette von Freundschaft und Vertrauen in seiner Umgebung knüpft." An diesem Punkt waren wir letztes Mal angelangt, nämlich bei der Frage, was existiert in der Tiefe unseres Lebens? Sowohl aus buddhistischer als auch aus tiefenpsychologischer Sicht haben wir diese Frage beleuchtet.
Unser Bewusstsein und unsere Gedanken gehören zur Sechsten Bewusstseinsschicht. Diese sammelt über die Fünfte Bewusstseinsschicht die Informationen aus der Umgebung ein - durch Hören, Sehen, Riechen, Schmecken, Tasten und integriert sie. Die Siebte Bewusstseinsschicht ist das, was in der europäischen Wissenschaft der Tiefenpsychologie untersucht wird: Der Zustand des Unbewussten ist die Manas-Schicht. Auch das habe ich letztes Mal schon erwähnt. Auf die Manas-Schicht folgt die Alaya-Schicht als Achte Bewusstseinsschicht. Heute wollte ich meinen Vortrag mit der Achten Bewusstseinsschicht beginnen, aber wegen der grausamen Terrorakte von New York möchte ich ihn um ein paar weitere Worte zur Siebten und zur Achten Schicht ergänzen.
Die Achte Bewusstseinsschicht ist wie ein schnell fließender Strom, der ohne Pause unentwegt weiterfließt. Das habe ich am Beispiel des russischen Wissenschaftlers Logunow2 erläutert. Unser Leben ist wie ein fließender Strom, der sich ständig verändert und immerzu weiterfließt. Das ist es, was bei uns allen in der Tiefe unseres Lebens existiert. Durch die Achte Schicht, die Alaya-Schicht, erscheint die Siebte, durch diese wiederum die Sechste, dann die Fünfte. Mit der Fünften Bewusstseinsschicht leben wir unser Alltagsleben. Im allgemeinen empfinden wir die Sechste Bewusstseins-schicht als den Mittelpunkt unserer Existenz.
Jetzt hören Sie mithilfe der Fünften Bewusstseinsschicht meine Stimme. Ich weiß nicht, ob Sie mein Gesicht sehen, aber jedenfalls gehört auch Sehen zur Fünften Bewusstseinsschicht. Auf jeden Fall arbeitet Ihr Bewusstsein in diesem Augenblick auf der Sechsten Schicht. Es kann natürlich sein, dass irgendjemand unter uns sich bereits in der Siebten Bewusstseinsschicht befindet, wo das Reich der Träume angesiedelt ist. Menschen im Koma oder im Tiefschlaf befinden sich in der Siebten Bewusstseinsschicht. Genau auf dieser Siebten Schicht erhalten wir in Wirklichkeit unser Leben. Deshalb sind die Funktionen, die für eine konstante Körpertemperatur sorgen, unser Immunsystem und das Nervensystem sowie den Blutkreislauf und die Atmung in Gang halten, dort angesiedelt. Wenn man daher in tiefem Schlaf liegt, reguliert sich die Körpertemperatur von alleine und man atmet unwillkürlich weiter.
Obwohl wir in diesem Zustand nicht bei Bewusstsein sind, hält die Siebte Schicht die lebensnotwendigen Funktionen aufrecht. Wenn man nur bewusst atmen könnte, wäre es lebensgefährlich, einzuschlafen. Auch wenn die Körpertemperatur im Schlaf absinken würde, könnte man sich nicht angstfrei zur Ruhe begeben.
Ab hier beginnt nun die Besonderheit der buddhistischen Sichtweise. Es wird vielleicht ein bisschen kompliziert, aber ich möchte es trotzdem gerne vortragen. Im Buddhismus wird die Frage gelöst, warum d
ie Menschen sich vor dem Tod fürchten. Jeder Mensch empfindet tief in seinem Inneren Angst vor dem Tod. Der Buddhismus erklärt den Grund dafür: In der Tiefe des Herzens, nämlich mit der Siebten Bewusstseinsschicht, betrachtet man die Achte Schicht. Wie gesagt, die Achte Bewusstseinsschicht fließt ständig dahin wie ein reißender Fluss. Das ist das wahre Wesen der Achten Bewusstseinsschicht. Dennoch wird sie oft als statische, unverwechselbare "Seele" betrachtet. Das ist die übliche, verbreitete Sichtweise. Man sieht die Achte Bewusstseinsschicht an wie etwa einen Stein, wie etwas, das sich nicht ändert, als unveränderliches Selbst. Bei dieser Sichtweise bekommt man Angst davor, irgendwann unweigerlich zu verlöschen und zu verschwinden. Diese Vorstellung löst Angst aus. Man reagiert automatisch mit dem Wunsch, sich selbst zu schützen, unbedingt. Es ist ein grundsätzlicher Egoismus, im Buddhismus mit "ga"3 bezeichnet, zu deutsch: Ego. Aus der Betrachtungsweise der Achten Bewusstseinsschicht als etwas Statischem und Unveränderlichem resultieren alle Egoismen und egozentrischen Taten, hier haben sie ihren Ursprung.
Gestern habe ich an einem Symposium der SGI-D und der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste teilgenommen. Dabei wurden auch die schrecklichen Ereignisse von New York thematisiert. Wir haben darüber
diskutiert, woher dieser Hass und diese Aggressivität von Menschen kommen. Was können wir dagegen tun, gibt es eine Lösung? Der Buddhismus sagt, dass die Siebte Bewusstseinsschicht, das Ego, sich selbst beschützen will und auf drohende Schäden oder Nachteile mit Aggression reagiert. Durch diesen Ärgerzustand schützt man sich selbst. Daraus entsteht Arroganz, die auf andere herabsieht, ihnen nichts zutraut, sie verachtet und sich schließlich als Diskriminierung zeigt. Man sieht dann nur noch die Unterschiede zwischen sich und anderen und reagiert aggressiv darauf. Manchmal werden Religionen oder sonstige Weltanschauungen benutzt, um ein solches Verhalten zu rechtfertigen. Besonders Extremisten sind von diesem Ego gesteuert. Das ist aber keine Frage der betreffenden Religion oder Ideologie selbst, sondern die beschriebene Tendenz existiert bei allen Menschen. Das ist eine Entdeckung und Erkenntnis des Buddhismus.
Wir betrachten die Nikken-Sekte als extremistisch, weil sie in ihrem Ego gefangen ist, und wir wollen das Böse daran eliminieren. Es wäre sehr interessant, Nikkens Geist einmal psychoanalytisch zu untersuchen. Könnte jemand das tun? Nikken macht Unterschiede zwischen Laiengläubigen und Priestern und hält sich als Hoherpriester für etwas Besseres. Einfache Gläubige setzt er als nicht ebenbürtig herab. Daran sieht man, dass ganz in der Tiefe des Herzens von Extremisten wie Nikken ständig Angst und Schrecken vor dem Tod wirbeln. Sie treten als Aggressivität zutage. Auch Nikken wird davon umgetrieben. Vor einiger Zeit haben wir in Japan den Giftgasanschlag der AUM-Sekte auf die U-Bahn in Tokyo erlebt. Die AUM-Leute behaupten, dass ihre Lehren dem Buddhismus entstammten, wobei diese Lehren in Wirklichkeit ein Sammelsurium und Durcheinander von verschiedenen zusammengeworfenen Lehren sind. Auch AUM gehört zu den Extremisten.
Selbstliebe (ga-ai), selbstsüchtige Arroganz (ga-man) und eigennützige Gedanken (ga-ken), die aus dem Ego entspringen, haben ihre Wurzel in ga-chi, dem buddhistischen Begriff für die 'Ego-Verblendung'4. Man hat nämlich das Gesetz der Bedingten Entstehung5 (engi) nicht verstanden. Man lebt nur für sich selbst, und aus eigensüchtigen Begierden und aus Arroganz attackiert man andere. In der Tiefe dieser Menschen lauert die Angst vor dem Tod, und um die zu verdrängen oder zu überspielen, diskriminieren sie andere und unterdrücken sie. Diese Funktion bezeichnen wir als ga-chi. Dann betrachtet man vom Siebten Bewusstsein aus, das aus der Achten Schicht entstanden ist, letztere wie etwas Unveränderliches, und daher kommen die Angst und die furchtsamen Gedanken.
Wir als Buddhisten verstehen, dass die Energie des Lebens wie ein strömender Fluss ständig kommt und geht, kontinuierlich und unaufhörlich. Mit anderen Worten, ein Energiefluss. Wenn wir begreifen, dass diese Energie mit der aller anderen verschmilzt und weiterfließt, dann bedeutet andere zu opfern, um die eigene Energie zu bewahren, nichts
anderes als sich selbst zu opfern. Wenn ich ein Beispiel nennen darf: Zu Beginn einer Ehe sind Charakter und Interessen der beiden Partner sehr unterschiedlich, aber nach zehn oder zwanzig Jahren des Zusammenlebens werden sie einander immer ähnlicher. Obwohl sie unterschiedlich aussehen und verschiedene Charaktere haben, gleicht ihre Atmosphäre sich an. Diese Atmosphäre ist die Achte Bewusstseinsschicht. Bei Freundschaften ist das auch so. Wenn man mit einem guten Freund zehn oder zwanzig Jahre lang ständig Umgang hat, wird man einander in der Tiefe der Alaya-Schicht ähnlicher, wenn auch die äußerlichen Unterschiede bestehen bleiben.
Wenn man über eine längere Zeit miteinander zu tun hat, vertieft sich der Austausch der Energie des Lebens. Dann kann man einander nicht mehr belügen und sich gegenseitig nichts vormachen. Schließlich versteht man auch ohne Worte, was der andere denkt und fühlt.
Dinge direkt auszusprechen geschieht mit dem Bewusstsein, aber bei vielen Leuten stimmen das gesprochene Wort und das, was in der Achten Bewusstseinsschicht vor sich geht, nicht überein. Zu Beginn einer Bekanntschaft kann man andere mit Worten betrügen, aber auf die Dauer wird es nicht funktionieren. Wenn sich der Austausch über die Achte Schicht allmählich vertieft, beginnt man, die Lügen zu durchschauen.
Dieser Austausch des Lebens zwischen uns ist im Buddhismus eine "Bedingte Entstehung", jap. engi. Sie breitet sich von nahestehenden Personen weiter aus, in das ganze Volk und noch weiter bis hin zur gesamten Menschheit. Auch zu anderen Lebewesen wie z.B. Tieren verbreitet sie sich. Zum Schluss ist sie wie ein Fluss, der ins Meer mündet, wie in den buddhistischen Schriften steht.
Wenn man diese Dinge versteht, kann man andere schätzen, Freundschaften in der eigenen Umgebung aufbauen und Vertrauen gewinnen. Mit einem solchen Herzen handelt man auch entsprechend. Das nennen wir ein "gutes Herz" oder "Herz der Buddhaschaft". Für solche Menschen ist es leicht, die Angst vor dem Tod zu überwinden. Unser Leben wird durch den Tod oder durch die Vernichtung des Körpers nicht "Nichts", sondern die Energie des Karmas, die Energie des Lebens geht in den großen Kosmos ein, so wie ein Fluss ins Meer mündet.
Wenn man das wirklich spürt, verschwindet die Angst vor dem Tod. Dann kann man Ärger und Aggressivität, Arroganz und Diskriminierung, die wir grundsätzlich in uns haben, überwinden.
Wenn man Buddhismus studiert und diese Dinge verinnerlicht, dann ist es gut. Aber wenn jemand das nicht kann, was machen wir dann? Man kann die Bewegung empfehlen, die einen ein "gutes Herz" entwickeln lässt. Der Zweck einer Gesellschaft besteht darin, miteinander und füreinander zu leben. Auf der Basis von gegenseitigem Vertrauen und gemeinsamem Handeln kann man den ursprünglichen Egoismus des Siebten Bewusstseins überwinden.
Präsident Ikeda führt Dialoge mit Menschen christlichen Glaubens und auch mit Vertretern des Islam wie z. B. Professor Tehranian7. Präsident Ikeda sagte, historisch bedingt sei es schwierig für Christentum und Islam, einen Dialog miteinander zu führen. Buddhismus kann dabei eine Brücke sein, weil die buddhistische Anschauung des Lebens anders ist. Egal ob christlicher, islamischer oder hinduistischer Glaube, es gibt von der Konstruktion des Lebens her keinen Unterschied, sondern nur Menschen. Deswegen könne es möglich sein, dass der Buddhismus zwischen Christentum und Islam vermittelt.
In der Seikyo-Zeitung von heute hat Präsident Ikeda ein Essay über den mittlerweile verstorbenen Arabien-Forscher Torao Kawasaki8 veröffentlicht, der Professor an der Soka Universität war. Die Essayreihe heißt "Wunderbare Begegnungen", die Folge über Professor Kawasaki "Mensch ist Mensch, überall". Darin zitiert er Professor Tehranian. Wie Sie wissen, ist Professor Tehranian Direktor des Toda-Friedens-Instituts. Er stammt aus (dem) Iran. In dem Essay geht es auch um Terrorismus. 1,2 Milliarden Menschen auf der Erde sind Muslime9. Aber nicht alle sind gewalttätig. Der Islam ist kein monolithischer Block, und Extremismus oder Fundamentalismus ist nur ein Teil von ihm. Natürlich sind alle terroristischen Taten absolut böse und dürfen niemals zugelassen werden. Aber Islam ist nicht das Gleiche wie Terrorismus, ebenso wenig wie dies bei Christentum oder Hinduismus der Fall ist. Vor ein paar Jahren gab es wie gesagt die Terroranschläge der AUM-Sekte, die aus buddhistischen Ursprüngen stammte.
Die Frage, warum Menschen das Leben anderer opfern und ihren eigenen ursprünglichen Egoismus durchsetzen wollen, hat die buddhistische Lehre gelöst. Wie gesagt, haben alle Menschen Angst vor dem Tod. Diese Angst vor dem Tod möchten sie auf einer falschen Ebene oder auf falsche Weise überwinden. Der Terrorismus zeigt
das ganz klar. Nun das Zitat von Professor Tehranian: "Das Wort 'Dschihad' im Islam wird zwar oft als 'heiliger Krieg' übersetzt. Aber genauer gesagt, wenn man zu militärischer Gewalt greift, nennt man das den 'äußeren kleinen Dschihad'. Der 'innere Dschihad' dagegen bedeutet, böse Gedanken sowie die eigene Habgier und den eigenen Hass zu überwinden und seinen Geist zu reinigen. Er wird auch 'großer Dschihad' genannt. Im übrigen ist, wenn es um die Ausübung militärischer Macht geht, diese nach der islamischen Lehre nur für den Fall der Selbstverteidigung erlaubt." Präsident Ikeda stellt diese Aussage in seinem Essay vor. Was Professor Tehranian sagt, ist dasselbe, was auch der Buddhismus erläutert, nämlich dass es darauf ankommt, sich innerlich von Begierden, Hass, Aggressivität zu reinigen. Wir nennen das "Irdische Begierden in Erleuchtung verwandeln".
Die islamische und die christliche Lehre gehen davon aus, dass man dazu Gott bräuchte, dass man durch die Liebe des Schöpfers diese Negativität überwinden könne. Der Buddhismus erläutert hingegen, wie ich vorhin erwähnt habe, die Beziehung zwischen Manas- und Alaya-Schicht. In diesem Bereich kann man die unterschiedlichen Begierden überwinden und in ein "gutes Herz" verwandeln. Diese Lösung und Änderungsmöglichkeit suchen wir unmittelbar in unserem eigenen Leben. Das ist das Besondere im Buddhismus. Das Zusammenwirken der transformierten Begierden und des "guten Herzens" ist die ursächliche Kraft für den Weltfrieden. Ich habe leider nicht mehr so viel Zeit und fürchte, ich werde auch heute wieder nicht zur Behandlung der Neunten Bewusstseinsschicht kommen, wie ich es eigentlich wollte. Aber weil es ein sehr wichtiger Punkt ist, möchte ich das bisher Gesagte noch weiter fortsetzen.
Warum unsere Bewegung ursächlich (für Weltfrieden) ist, möchte ich näher erläutern. Sie kennen ja das Wort Karma. Es ist der Ursprung unseres Lebens. Der Buddhismus erläutert zwei verschiedene Karmas: Fukyogo (individuelles Karma) und Kyogo (gemeinsames Karma)10.
Fukyogo bedeutet "nicht das Gleiche wie bei anderen, sondern eigenes Karma". Wie vorhin gesagt, wenn der Austausch zwischen den Alaya-Schichten intensiver wird, dann entsteht mit anderen gemeinsames Karma. Es kann Familienkarma sein oder das Karma guter Freunde. Das ist Kyogo. Das gemeinsame Karma verbreitet sich in die Familie, die Umgebung, das Volk. Auch Kontinente wie Europa oder Asien haben gemeinsames Karma. Zum Schluss erweitert es sich zum Karma der Menschheit.
Wenn Sie z.B. in Ihrer Familie als einziger praktizieren und ein "gutes Herz" entwickeln, werden die anderen davon positiv beeinflusst. So entsteht gemeinsames Karma. Familienkarma ist nicht so lange, aber das Karma eines Volkes kann mehrere hundert oder tausend Jahre dauern, gutes und schlechtes inbegriffen. Aus buddhistischer Sicht s
ammelt sich das Karma der Zehn Welten an. Dies vorausgesetzt, sind wir diejenigen, die Karma ändern können. Wenn innerhalb eines Volkes Diskriminierung oder Hass existiert, dann soll jeder einzelne das ändern und entsprechenden Einfluss auf andere nehmen. Nur so lässt sich Karma ändern. Auch wenn innerhalb eines Volkes nicht viele Leute praktizieren, können wir durch unser gemeinsames Karma andere Menschen beeinflussen, und Hass in "gute Herzen" verwandeln.
Egal an welche Religion man glaubt, egal welcher Ideologie man folgt, nur durch Menschen kann man Menschen ändern. Weil wir alle Menschen sind. Menschen in ihrer tiefsten Tiefe eine Änderung zu ermöglichen, das ist der Sinn unserer Bewegung. Kernpunkt dieser Bewegung sind wir, die glauben und Daimoku chanten.
Warum es notwendig ist, Daimoku zu chanten - ab jetzt geht es endlich um die Neunte Bewusstseinsschicht - Präsident Ikeda sagte in "Dialoge über das Lotos- Sutra"11: "Es gibt eine Art und Weise, Minusenergie (schlechtes Karma) in Plusenergie (gutes Karma) zu verwandeln.
" Dafür muss man gutes Karma Stück für Stück ansammeln. Das ist die allgemeine Art und Weise - Gutes tun, einander ermutigen. So kann man gutes Karma ansammeln. Aber in der Realität wirft man in aller Regel eigenhändig das wieder um, was man mühsam aufgebaut hat. So sind die meisten Menschen. Im Alltag tauchen finanzielle Probleme, auch politische und sonstige Schwierigkeiten auf. Es ist notwendig, durch gute Handlungen die Situation zu ändern.
Aber es gibt noch eine andere, subjektive Art und Weise, wie man durch eigenes gutes Karma seine Umgebung verändern kann. Das ist die Praxis des Buddhismus Nichiren Daishonins. Präsident Ikeda sagt dazu: "Das Universum selbst umfängt den Strom der Achten Bewusstseinsschicht." Wie ich vorhin gesagt habe, fließt dieser Strom in das große Meer hinein. Das gesamte Universum selbst ist also die Neunte Bewusstseinsschicht, nämlich die ursprüngliche Reinheit. Wer das verstanden hat, ist ein Buddha.
Das Leben des ursprünglichen Universums selbst wurde von Shakyamuni Buddha in Indien zum ersten Mal in der Geschichte als das Gesetz der Sonne erläutert. Das war der Beginn des Buddhismus. Shakyamuni Buddha erläuterte das Licht seiner Erleuchtung in drei Stufen: bei Sonnenuntergang, um Mitternacht und in der Morgendämmerung. Bei der Morgendämmerung erläuterte er das ursprüngliche universale Gesetz und manifestierte das Leben des Buddhas.
Bei Sonnenuntergang erläuterte er das Gesetz der Bedingten Entstehung, d.h., wie ich vorhin erwähnte, die Siebte und Achte Bewusstseinsschicht, über die alle Menschen miteinander zu tun haben. Um Mitternacht jedoch verschwand das Gesetz der Bedingten Entstehung, und in der Morgendämmerung hatte er alle Begierden und die fundamentale Dunkelheit6 zerbrochen und den Zustand der Buddhaschaft erreicht, als ob die Sonne den ganzen Himmel zum Erstrahlen gebracht hätte. So verstand Shakyamuni das ursprüngliche Universum. Darüber sagt Präsident Ikeda: "Es war ein historischer Moment. Die Sonne der Freude, die die ganze Menschheit bescheint, ging in diesem Augenblick auf."

Dies wurde im Buddhismus später als Amala, nämlich die Urreinheit des Kosmos, erläutert.
Nichiren Daishonin schuf zum allerersten Mal in der Geschichte eine bei allen Menschen wirksame Methode, das Leben des Buddhas der Urreinheit des Kosmos zu manifestieren.
Präsident Ikeda sagt weiter: "Wenn die Urreinheit in den Menschen sich gegenseitig berührt und miteinander in Kontakt kommt, dann kann man aus seinem Karma schöpferischen Wert schaffen. Das kann das Herz des Volkes, das Herz der Menschheit erreichen."
Nichiren Daishonin sagt in der Gosho: "Die Neunte Bewusstseinsschicht ist die Hauptstadt des Königreichs der Wahrheit." Diese Hauptstadt des Königreichs der Wahrheit hat er als Mandala eingeschrieben. Wenn wir zu diesem Mandala Daimoku chanten, können wir das Leben der Neunten Bewusstseinsschicht zur Achten, Siebten usw. dringen lassen. Dann geht, genauso wie bei Shakyamuni Buddha, die Sonne der Ewigkeit auf, während wir Daimoku chanten. Wenn wir von diesen Sonnenstrahlen beschienen werden, was ist dann? Dann kann man alles in Weisheit verwandeln.
Heute habe ich nicht so viel Zeit, deswegen hier nur eine wortwörtliche Erläuterung.
Amala-shiki heißt die Neunte Bewusstseinsschicht. Die Amala-Schicht erscheint als 'Die Weisheit vom Wesen der Erscheinungswelt' (Hokkai-taisho-chi), eine Weisheit, die das ganze Universum aus Erde, Wasser, Feuer, Wind, Raum und Bewusstsein umfasst12. Diese Weisheit ist die Weisheit, die im Gohonzon enthalten ist. Wenn sie hervorgeholt wird, ändert sich die Achte Bewusstseinsschicht. Die Achte Bewusstseinsschicht wird 'Die Weisheit des großen runden Spiegels' (Daienkyo-chi) genannt. Das ist ein Zustand der Weisheit wie ein Spiegel, der alle Phänomene des Universums zeigt. Dieser Zustand beeinflusst und verändert die Siebte Bewusstseinsschicht. Wie vorhin gesagt, beinhaltet die Siebte Bewusstseinsschicht unseren ursprünglichen Egoismus. Das kann als 'Die nicht-unterscheidende Weisheit' (Byodosho-chi) bezeichnet werden. Es ist die Weisheit, alle Diskriminierung verschwinden zu lassen und alle Gesetzmäßigkeiten im Universum zu erkennen. Die Sechste Bewusstseinsschicht kann zur 'Weisheit der Einsicht in die Einzelheiten' (Myokansatsu-chi) werden. Das ist eine Weisheit, die die Tendenzen der Menschen genau betrachtet, das Mystische Gesetz erläutert und Zweifel verschwinden lässt. Die Fünfte Bewusstseinsschicht wird zur 'Weisheit der perfekten Ausübung' (Joshosa-chi). Das ist die Weisheit, für sich und für andere das Karma zu ändern.
Alle unsere acht Bewusstseinsschichten in Weisheit zu verwandeln, das ist die Kraft des Gohonzons. Diesen Punkt wollte ich heute eigentlich erläutern, konnte ihn aber nur im Überblick darstellen. Deshalb möchte ich ein andermal wiederkommen13 und ihn genauer erläutern. Es ist ein buddhistisches Gesetz, die (Acht) Schichten in Weisheit zu verwandeln und zusammen mit der ganzen Menschheit und der Natur zu existieren.
Fußnoten:
1. Im Originaltext steht: "in seinem 25. Friedensvorschlag" Der wäre am 26. Januar 2007 erschienen. Dieser Vortrag wurde aber 2001 gehalten. Also habe ich die '25' weggelassen.
2. Im Originaltext des vortrags steht: 'Rognow': Einen Wissenschaftler namens Rognow, der sich mit Präsident Ikeda getroffen hat, gab es nicht. Daher habe ich den Namen entsprechend korrigiert: Er hieß Logunow
3. japanisch: 我 ga - ich.
4. Der Originaltext lautet: "Selbstliebe (ga-ai), selbstsüchtige Arroganz (ga-man) und eigennützige Gedanken (ga-ken), die aus dem Ego entspringen, haben ihre Wurzel in ga-chi, dem buddhistischen Begriff für die "fundamentale Dunkelheit"."
Ga-chi bedeutet wörtlich 'Ich-Verblendung' und nicht 'Fundamentale Dunkelheit'6, obwohl etwas Ähnliches gemeint ist. (Daher habe ich den Satz entsprechend verändert) Ga-chi 我痴 bezeichnet die fundamentale Illusion, dass das Ego eine feste, eigenständige und unsterbliche Substanz besitzt. Aus buddhistischer Sicht existiert das 'Ich' jedoch nur als dynamischer, sich ständig verändernder Fluss von Gedanken und Erfahrungen. Die Illusion: Man glaubt felsenfest: "Das bin ich, das gehört mir, und ich bin getrennt vom Rest der Welt." Die Folge: Weil man dieser Verblendung unterliegt, entstehen überhaupt erst die anderen drei Muster: Man fängt an, dieses vermeintliche Ich strategisch zu schützen (ga-ken 我見), es über andere zu erheben (ga-man 我慢) und sich obsessiv an ihm festzuklammern (ga-ai 我愛).
Diese vier Lehrbegriffe stammen historisch aus dem indischen Mahayana. Genauer gesagt sind sie Lehrinhalt einer psychologischen Strömung des Mahayana, der 'Nur-Bewusstsein' Schule, auch bekannt als Yogācāra-Schule, eine der bedeutenden Mahayana-Schulen Indiens. Maitreya, der vermutlich zwischen 270 und 350 (nach anderer Datierung 350-430) lebte, gilt oft als Begründer dieser Schule. Ihm wird die Verfasserschaft der Abhandlung über die Stufen der Yoga-Praxis zugeschrieben - einem Werk, das die 'Nur-Bewusstsein'-Lehre erläutert -, sowie deren Weitergabe an Asanga. In der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts wurde die Lehre von Asanga und Vasubandhu weiterentwickelt. Die Schule vertritt die Auffassung, dass alle Phänomene aus dem 'vijñāna', also dem Bewusstsein hervorgehen und dass das 'ālaya-vijñāna' (Speicherbewusstsein) die Grundlage aller Bewusstseinsfunktionen bildet. Die 'Nur-Bewusstsein' Lehre war ein zentraler Gegenstand buddhistischer Studien im Kloster Nālandā. Dharmapāla entwickelte die Lehre im des 6. Jahrhundert weiter. Xuanzang brachte sie nach China. Die Schule der 'Dharma-Merkmale' (chinesisch: 'Fa-xiang'; japanisch: 'Hossō') führte die Philosophie der 'Nur-Bewusstsein' Schule' sowohl in China als auch in Japan fort und beeinflusste wiederum Reines Land (Jodo) und Zen. Zu Nichirens Zeiten im 13. Jh. spielte die Hossō-Schule in Japan nurmehr eine untergeordnete Rolle, Jodo, Zen, Shingon und Ritsu waren einflussreicher.
Quellen:
Google KI – vier Ego-Verschleierungen im Yogacara
https://www.nichirenlibrary.org/en/dic/Content/C/106
https://www.nichirenlibrary.org/en/dic/Content/D/46
Die Ego-Verblendung beschreibt also die Illusion, dass das eigene Ich unveränderlich und fest ist. Das möchte Herr Kawada beschreiben, während die Fundamentale Dunkelheit die Unfähigkeit bzw. Unwissenheit beschreibt, das wahre Wesen des eigenen Lebens zu erkennen (siehe unten: Fußnote 6)
5. Engi ist japanisch und bedeutet 'Bedingtes Entstehen', oder 'Voneinander abhängiges Entstehen' oder 'Miteinander-Entstehen-unter-bestimmten Voraussetzungen'. Eine buddhistische Lehre, die die gegenseitige Abhängigkeit aller Dinge zum Ausdruck bringt. Sie besagt, dass kein Wesen oder Phänomen aus sich selbst heraus existiert. Sie bestehen oder entstehen vielmehr aufgrund ihrer Beziehung zu anderen Wesen und Phänomenen. Alles in der Welt entsteht in Abhängigkeit von Ursachen und Bedingungen. Das bedeutet, dass nichts unabhängig von anderen Dingen existieren oder isoliert entstehen kann. Die Lehre von der zwölfgliedrigen Kette des bedingten Entstehens ist eine bekannte Veranschaulichung dieses Konzepts.
Quelle: https://www.nichirenlibrary.org/en/dic/Content/D/29#para-0
6. Fundamentale Dunkelheit[元品の無明 (jap. gampon-no-mumyō)
Man spricht auch von fundamentaler Unwissenheit oder ursprünglicher Ignoranz. Die am tiefsten verwurzelte Illusion, die dem Leben innewohnt und als Ursprung aller anderen Illusionen gilt. Dunkelheit bedeutet in diesem Sinne die Unfähigkeit, die Wahrheit - insbesondere die wahre Natur des eigenen Lebens - zu sehen oder zu erkennen. Der Begriff der fundamentalen Dunkelheit steht im Gegensatz zur fundamentalen Natur der Erleuchtung, also der dem Leben innewohnenden Buddha-Natur. Dem Shrīmālā-Sutra zufolge ist die fundamentale Dunkelheit die am schwersten zu überwindende Illusion; sie kann nur durch die Weisheit des Buddha beseitigt werden. T’ien-t’ai (538–597) interpretiert Dunkelheit als jene Illusionen, die den Menschen daran hindern, die Wahrheit des Mittleren Weges zu erkennen; er unterteilt diese Illusionen in zweiundvierzig Arten, von denen die fundamentale Dunkelheit die letzte ist. Diese Illusion wird erst dann vollständig beseitigt, wenn man die Stufe der vollkommenen Erleuchtung erreicht - die letzte der zweiundfünfzig Stufen der Bodhisattva-Praxis. Nichiren (1222–1282) deutet die fundamentale Dunkelheit als Unwissenheit gegenüber dem höchsten Gesetz - oder als Unwissenheit darüber, dass das eigene Leben im Wesentlichen eine Manifestation dieses Gesetzes ist, welches er als Nam-myoho-renge-kyo identifiziert. In der Schrift 'Über die Behandlung von Krankheiten' erklärt Nichiren: "Das Herz der Lotus-Schule ist … die Lehre von den dreitausend Bereichen in einem Einzigen Lebensmoment; diese besagt, Gut und Böse ist selbst denjenigen auf der höchsten Stufe der Erleuchtung zu eigen. Die fundamentale Natur der Erleuchtung manifestiert sich als Brahmā und Shakra, während die fundamentale Dunkelheit sich als Teufelskönig des Sechsten Himmels manifestiert." (SND,1359f). Nichiren betrachtet die fundamentale Dunkelheit somit als etwas, das selbst im erleuchteten Leben des Buddha latent vorhanden ist, und den Teufelskönig des sechsten Himmels als eine Manifestation oder Personifizierung dieser dem eigenen Leben innewohnenden fundamentalen Dunkelheit. In den 'Aufzeichnungen der mündlich überlieferten Lehren' heißt es: "Glaube ist ein scharfes Schwert, das die fundamentale Dunkelheit oder Unwissenheit abschneidet."
Quelle: https://www.nichirenlibrary.org/en/dic/Content/F/242
7. Der Name des Professors ist nicht Teheranian, wie es im Originaltext heißt, sondern Prof. Majiid Tehranian. Sie trafen sich 1992 und 1996 und gaben zusammen ein Buch mit dem Titel 'Global Civilization: A Buddhist-Islamic Dialogue' heraus, das unter anderem auch auf hebräisch erschien.
Siehe: https://events.daisakuikeda.org/2019/0419-tehranian-ikeda-he/
Und: https://www.daisakuikeda.org/main/philos/buddhist/buddh-07.html
8. Torao Kawasaki (1914 - 1977) war ein bedeutender japanischer Diplomat und Pionier der Arabistik in Japan. Er gilt als einer der ersten japanischen Forscher, die sich intensiv mit der arabischen Sprache und Kultur auseinandersetzten.
Zu einer Zeit, als es in Japan kaum Verbindungen zur arabischen Welt gab, reiste Kawasaki als junger Mann zum Studium nach Ägypten. Später lebte er unter anderem im Irak und baute dort kulturelle Brücken auf. Seine bleibende wissenschaftliche Leistung ist die Zusammenstellung des allerersten japanisch-arabischen Wörterbuchs, was den Grundstein für die modernen Beziehungen und das gegenseitige Verständnis beider Kulturräume legte. Neben seiner Forschungstätigkeit war er ab 1919 für das japanische Außenministerium in Amerika und China aktiv. Er war bekannt für seine offene, nahbare Persönlichkeit und gastfreundliche Art.
In seinem Buch 'One by One' (Einer nach dem Anderen) beschreibt Präsident Ikeda auch die Leistungen Torao Kawasakis und betitelt das Kapitel: A Bridge Between Civilizations (Eine Brücke zwischen Zivilisationen) Quelle:
https://www.daisakuikeda.org/sub/books/books-by-category/essays/onebyone.html
9. Im Originaltext von 2001 ist die Rede von 1,2 Mrd. Moslems. Das sagt man nicht mehr. 2026 sind es 2 Mrd. Muslime, bis 2050 wird ein Anstieg auf 2,7 Mrd. erwartet.
10. Fukyōgō [不共業] und Kyōgō[共業] zwei Dimensionen des Karmas, die erklären, wie das Schicksal des Einzelnen und das der Gemeinschaft miteinander verflochten sind.
Fukyōgō [wörtlich: nicht-gemeinsam-Karma] Das spezifische Karma, das eine Person durch ihre eigenen vergangenen Gedanken, Worte und Taten ansammelt. Es bestimmt die individuellen Lebensumstände, wie zum Beispiel die persönliche Gesundheit, Charakterzüge, Talente oder das persönliche Glück und Unglück.
Jeder Mensch trägt die alleinige Verantwortung für sein Fukyōgō und ist auch der Einzige, der es durch positive Ausrichtung und Handlungen zum Guten verändern kann.
Kyōgō [wörtlich: gemeinsam-Karma] Das kollektive Karma, das von einer Gruppe von Menschen - sei es eine Familie, eine Nation oder die gesamte Menschheit - geteilt wird. Es manifestiert sich in gemeinsamen Erfahrungen, wie dem Leben in derselben Epoche, dem Erleben von Naturkatastrophen, gesellschaftlichen Krisen, Kriegen oder auch gemeinsamen kulturellen und wirtschaftlichen Blütezeiten.
Kyōgō verbindet uns mit unserer Umwelt und unseren Mitmenschen. Es zeigt, dass wir keine isolierten Wesen sind, sondern das Karma unserer Umgebung teilen und mitgestalten.
Obwohl beide Begriffe getrennt definiert werden, beeinflussen sie sich ständig gegenseitig. Wenn sich das individuelle Karma (Fukyōgō) vieler Einzelner zum Positiven verändert, wandelt sich dadurch auch das gemeinsame Karma (Kyōgō) einer Gesellschaft.
Quelle: Frage an die KI von Google (oops!)
11. Die Originalpassage lautet:
"IKEDA: Es gibt Methoden, um die karmische Energie im eigenen Leben von negativ zu positiv zu verändern, indem man beständig gute Ursachen ansammelt. Aber das ist in Wirklichkeit nicht durchführbar, früher oder später tun wir etwas, das die bereits geleisteten guten Ursachen auslöscht, so wie man durch das Anhäufen von Steinen nur eine gewisse Höhe erreichen kann, bevor man umwirft, was zu schaffen man sich bemüht hat. Das trifft insbesondere auf ein Zeitalter zu, in dem die Gesellschaft in ihrer tiefsten Tiefe von negativer Energie durchflutet wird.
Das Lotos-Sutra lehrt im Gegensatz dazu, wie wir durch das Aktivieren des neunten Bewusstseins, das in der tiefsten Tiefe unseres Seins liegt und grundlegend frei von Unreinheit ist, sofort sowohl die negative als auch die positive Energie in unserem Leben in "höchste positive" Energie verwandeln können. Das neunte Bewusstsein ist das universale Leben, das dem achten Bewusstsein und jeder anderen Facette unseres Seins zugrunde liegt.
Der "ewige Buddha" des Kapitels Lebensspanne könnte als menschliche Form dieser grundlegend reinen Art des Bewusstseins, die ohne Anfang und Ende ist, bezeichnet werden. Wenn wir dieses grundlegend reine Bewusstsein aktivieren, wird sämtliche Energie des guten und schlechten Karmas in unserem Leben auf das Schaffen von Werten ausgerichtet, und der Geist oder das Bewusstsein unserer ethnischen Gruppe und der Menschheit werden mit dem Lebensstrom von Mitgefühl und Weisheit erfüllt." ["Dialoge über das Lotos- Sutra" Band 4, ab S. 217 unten]
12. Im letzten Teil seiner Rede erläutert Herr Kawada fünf japanische Begriffe aus dem esoterischen Buddhismus, die ich für die Leser und Zuhörer an dieser Stelle übersetzt habe:
Es geht um die sogenannten Fünf Weisheiten [五智] (jap. go-chi) (skt. Gojñāna):
Dies sind die fünf Aspekte der Weisheit im esoterischen Buddhismus. Im Buddhismus Nichiren Daishonins spielen sie keine große Rolle. Sie stammen eigentlich aus der Tradition der Tendai Schule und werden im Shingon-Buddhismus in einem Mandala verkörpert in dessen Zentrum Mahavairochana steht.
In der Gosho 151, (SND 1292) zitiert Nichiren einen Text von Kobo Daishi: "Der Buddha ist natürlicherweise mit allumfassender Weisheit ausgestattet. Zahlreicher als Staubkörner sind jene, die das grundlegende Wesen des Geistes und die dazugehörigen geistigen Funktionen besitzen. Ein jeder ist mit den fünf Arten von Weisheit ausgestattet, das heißt, mit grenzenloser Weisheit. Wenn die Kraft des großen runden Spiegels vollkommen wirkt, dann ist dies die wahre Weisheit des Erwachens."
Frage: Ich bin noch irgendwie im Zweifel darüber, auf welchen Sutra-Stellen dieser Kommentar basiert.
Antwort: Er basiert auf dem Mahavairochana-Sutra.
Hier nennt Nichiren selbst die Quelle. Wie ich bereits an anderer Stelle bemerkte, neigen die Denkweisen von Priestern in allen Klöstern der Welt zur Formalisierung. Man hatte einfach viel Zeit, sich so etwas auszudenken. Es klingt bedeutsam, lässt jedoch auf den ersten Blick den Bezug zur Realität vermissen.
In der Gosho 331, 'Über die achtzehn Vollkommenheiten' erläutert Nichiren einem imaginären Fragesteller, dass sowohl die Lehre der Neun Bewusstseine, als auch die der fünf Arten der Weisheit aus der T'ien-t'ai-Schule stammen und dass beide zusammenhängen. Im Buddhismus Nichiren Daishonins werden die fünf Weisheiten natürlich nicht mit fünf Buddhas der vorläufigen Lehren in Verbindung gebracht, sondern mit den neun Bewusstseinsschichten, der Ausübung von Nam-Myoho-Renge-Kyo und dem Erlangen der Buddhaschaft, so wie man ist. Ein jeder / eine jede ist bereits mit den fünf Weisheiten ausgestattet. Das bedeutet, man kann sie an sich fördern und in den eigenen Alltag fließen lassen. (Es handelt sich nicht um Spezialkräfte von Super-Buddhas)
Die Weisheit des neunten Bewusstseins ist die Weisheit, die im Gohonzon vor unseren Augen verkörpert wird, die wir aber nicht außerhalb unserer selbst suchen sollen. Durch das Gebet aktiviert, durchdringt diese Weisheit des neunten Bewusstseins das achte, siebte, sechste u.s.w. Bewusstsein und aktiviert dessen jeweiligen erleuchteten Aspekt.
(1) Hokkai-taishō-chi [法界体性智] "Die Weisheit vom Wesen der Erscheinungswelt", welche die Erscheinungswelt als aus den sechs Elementen - Erde, Wasser, Feuer, Wind, Raum und Bewusstsein - zusammengesetzt wahrnimmt. Neuntes Bewusstsein, Amala-Bewusstsein, Gohonzon-Weisheit.
(2) Daienkyō-chi [大円鏡智] "Die Weisheit des großen runden Spiegels", welche die Welt unverzerrt wahrnimmt, so wie ein klarer Spiegel alle Bilder getreu widerspiegelt. Achtes Bewusstsein, Alaya-Bewusstsein, die Erleichterung der karmischen Vergeltung.
(3) Byōdōsho-chi [平等性智] "Die nicht-unterscheidende Weisheit", welche die wesentliche Gleichheit aller Dinge ohne Unterscheidung und Diskriminierung betrachtet. Siebtes Bewusstsein, Manas-Bewusstsein, Erwecken des 'Ich-bin-Buddha-Bewusstseins'.
(4) Myōkanzatsu-chi [妙観察智] "Die Weisheit der Einsicht in die Einzelheiten", welche die Besonderheiten aller Phänomene unterscheidet und die Fähigkeiten der Lebewesen wahrnimmt, um sie zu lehren und ihre verschiedenen Zweifel zu beseitigen. Sechstes Bewusstsein, Mano-Bewusstsein, Reinigung der sechs Sinne - Ich sehe die gleiche Welt aber mit den Augen des Buddhas.
(5) Jōshosa-chi [成所作智] "Die Weisheit der perfekten Ausübung", welche es ermöglicht, die Kraft zu entwickeln, sowohl anderen als auch sich selbst zu nutzen. Fünf Sinnes-Bewusstseine (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tastbefund), Sinneseindrücke verursachen Lebensfreude.
Tatsächlich ist auch ein Werk Nichirens mit einem Leitfaden für buddhistische Debatten mit anderen Schulen erhalten, die Gosho 220, 'Gesprächsoptionen für einen schnellen Sieg'.
Darin heißt es: "Sollte der Fragende darauf hinweisen, dass Shakyamuni in der Mandala-Darstellung der fünf Buddhas und der fünf von ihnen repräsentierten Weisheiten in dem nach Norden hin ausgerichteten Bereich erscheint, während Mahāvairochana im Zentrum steht, und dich nach deiner Meinung dazu fragen, dann antworte mit der Gegenfrage, ob der Fragende einräumen würde, dass die Lehren der "Wahren-Worte-Schule" (Shingon) zum Untergang der Nation führten, auch wenn Shakyamuni im Zentrum stünde. Weise darauf hin, dass sich in den drei Sutras der "Wahren-Worte-Schule" keinerlei Hinweis darauf findet, dass Shakyamuni in dem nach Norden zugeordneten Bereich des Mandalas dargestellt werden müsse. Diese Auffassung beruht auf einer Behauptung, die von Pu-k’ung vorgebracht wurde. Es gibt keine einzige diesbezügliche Erklärung des Buddha."
Quellen: https://www.nichirenlibrary.org/en/dic/Content/F/61
Gosho 151, Die Lehre von der Verwirklichung der Buddhaschaft in der jetzigen Gestalt, SND, 1292
https://www.nichirenlibrary.org/en/wnd-2/Content/331#para-48
https://www.nichirenlibrary.org/en/wnd-2/Content/220#para-187
Besonders interessant wird ein Vergleich mit Platos Werk 'Timaeus'. Er beschreibt die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde, Luft und den Kosmos als fünftes Element. Dazu gibt es eine windrosenartige Darstellung, ähnlich dem Diamant-Welt (Shingon) Mandala, in dem vier Weisheiten den vier Elementen und vier Himmelsrichtungen zugeordnet werden. Im Zentrum befindet sich das fünfte Element: Kosmos bei Plato, Mahavairochana im Shingon und Menschlichkeit/Mitgefühl bei Luc Besson (der hat überall geklaut). Man bedenke, dass Plato und Shakyamuni um 400 v.u.Z. antike Zeitgenossen waren. Gab es einen Austausch? Haben die Lehren sich gegenseitig befruchtet?
https://de.wikipedia.org/wiki/Timaios
13. Dazu sollte es aber nicht mehr kommen. Es gab keine Fortsetzung mehr.
