Rissho Ankoku Ron, Abschnitt 9

Zitat: "Wenn Sie auch nur im Geringsten um ihre persönliche Sicherheit besorgt sind, dann sollten sie zuallererst für Ordnung und Ruhe in allen vier Himmelsrichtungen des Landes Beten, nicht wahr? [SND-1, 30]

In der Rissho Ankoku Ron werden 10 Fragen gestellt und es werden 9 Antworten gegeben. Diesmal studieren wir aus der letzten Antwort des Gastgebers (Nichiren) an den Gast (Hojo Tokiyori).

Nachdem Nichiren Daishonin am 28. April 1253 zum ersten mal Nam-Myoho-Renge-Kyo öffendlich im Seicho-Tempel in seiner Heimatprovinz Awa gechantet hatte, ging er im August nach Kamakura, um dort mit der Verbreitung zu beginnen. Anhand von Aufzeichnungen kann man feststellen, dass in dieser Zeit die Namen der Zeitabschnitte sehr häufig wechselten. Das Jahr 1253 gehörte zur Kencho-Ära. Drei Jahre später, im Jahr 1256, befand man sich in der Kogen-Ära, im nächsten Jahr in der Shoka-Ära. Zwei Jahre später, 1259, wurde der Name in Shogen geändert, im nächsten Jahr in Bunno, wieder im nächsten Jahr in Kosho-Ära. In den fünf Jahren von 1256 bis 1261 gab es fünf verschiedene Namen. Für gewöhnlich wurde der Name einer Epoche nur aus besonderen Anlässen geändert: wenn es einen neuen Kaiser gab oder wenn eine Naturkatastrophe von schwerem Ausmaß eingetreten war. Die häufige Namensänderung weist daher auf die große Anzahl von Katastrophen hin, die Japan in dieser Zeit heimsuchten.

Kurz nach der Ankunft des Daishonins in Kamakura wurden die Stadt und das gesamte Land von einer Serie von Katastrophen und Konflikten erschüttert. ... Am 6. August 1256 verursachten sintflutartige Regenstürme Überschwemmungen und Erdrutsche, zerstörten die Ernten und vernichteten große Teile von Kamakura. Im September desselben Jahres wütete eine Seuche in der Stadt und forderte zahlreiche Todesopfer. Im Mai, August und November des Jahres 1257 erschütterten heftige Erdbeben die Stadt und im Juni und Juli herrschte eine verheerende Dürre. Doch am stärksten ängstigte die Menschen das Erdbeben am 23. August, das von noch nie dagewesener Stärke war. Auch 1258 ließen die Naturkatastrophen nicht nach: Im August zerstörten Stürme die Ernten im ganzen Land und zahlreiche Menschen in Kamakura ertranken in Überschwemmungen. Im Oktober wurde Kamakura von heftigen Regenfällen und weiteren schweren Überschwemmungen heimgesucht. Im Januar desselben Jahres zerstörte ein Feuer den Jufuku-Tempel und im Jahr 1259 wüteten Seuchen und Hungersnöte, und ein gewaltiger Regensturm verringerte die Ernteerträge stark.

Nichiren Daishonin suchte in den Schriften des Buddhismus nach den Gründen für diese Katastrophen. Dafür begab er sich von 1258 bis 1260 zu einem der Haupttempel der Tendai-Schule, dem Jisso-ji, der für seine umfangreiche Bibliothek bekannt war.

Er fand in verschiedenen Schriften die Beschreibung der sogenannten drei Unglücke und sieben Katastrophen (sansai-shichinen), die erscheinen wenn die korrekte Lehre des Buddhismus verleumdet wird. Nach Nichirens Ansicht erscheinen diese also, wenn sowohl die politisch Verantwortlichen als auch das Volk sich gegen die richtige Lehre wenden.

Neben seinen Bemühungen um die Verbreitung von Nam-Myoho-Renge-Kyo unter den Menschen seines Landes war ihm klar, dass es entscheidend wichtig war, die Regierenden von der Richtigkeit seiner Lehre zu überzeugen und die Ursachen und Zusammenhänge der Katastrophen zu belegen und klar zu machen.

Aus diesem Grund verfasste er im Jahr 1260 die Schrift Rissho Ankoku Ron, Über das Etablieren der richtigen Lehre für Frieden im Land. Sie wurde am 16. Juli 1260 über einen hochrangigen Beamten an Hojo Tokiyori übermittelt. Tokiyori war zu dieser Zeit bereits offiziell als Machthaber zurück getreten, galt aber immer noch als das einflussreichste Mitglied des Herrschenden Hojo-Klans. Eine unmittelbare Reaktion auf seine Schrift erhielt der Daishonin nicht und es gab auch keine Antwort. Vielmehr waren mehrere Regierungsmitglieder erbost über die offene Kritik an der Reine-Land-Lehre (Jodo). Regierungsbeamte, die Jodo-Anhänger waren, initiierten daraufhin am 27. August 1260 einen Überfall auf den Wohnsitz des Daishonins in Matsubagayatsu in Kamakura, dem Nichiren nur mit knapper Not entkam.

(Wie es weiter ging, siehe Nichirens Lebenslauf unter:

http://www.sgi-d.org/mitglieder/sgi-d-studienbewegung/studienpruefungen/studienpruefungen-stufe-1-nov-2017-studienmaterial/Thema%201_Das%20Leben%20Nichiren%20Daishonins_Stufe%201_2017.pdf/view)

Im diesmal studierten Gosho-Abschnitt zitiert der Gastgeber aus den Sutren, die Nichiren im Jisso-Tempel gefunden hatte und erklärt, dass von den dort beschriebenen sieben Katastrophen fünf schon eingetreten sind und nur zwei noch fehlen: Innerer, politischer Streit, Auseinandersetzungen, Aufstand, Bürgerkrieg (1272) und Invasion von Außen (1274 und 1281). Mit anderen Worten, dieser Abschnitt, den wir studieren, ist eine Warnung vor dem Krieg.

Siehe dazu auch in der neuen Gosho Seite 945, wo Nichiren beschreibt, wie im Jahre 1268 ein Schreiben der Mongolen bei der Regierung einging, in dem der Angriff angekündigt und die Unterwerfung gefordert wird - die 7. Katastrophe.

In der gleichen Gosho, auf Seite 956 rechts unten beschreibt Nichiren, wie er auf Sado dem Fürsten Rokuro Saemon eine Prophezeiung macht und ihm rät, sich mit seinen Truppen auf den Weg nach Kamakura zu machen, weil dort bald Kämpfe (6. Katastrophe) ausbrechen würden.

In der SGI-Depesche 2016.05 studiert Präsident Ikeda diese Gosho. Er schreibt:

"Wenn Sie auch nur im Geringsten um ihre persönliche Sicherheit besorgt sind, dann sollten sie zuallererst für Ordnung und Ruhe in allen vier Himmelsrichtungen des Landes Beten, nicht wahr?" Mit anderen Worten: Wenn wir um unsere Sicherheit besorgt sind, dann sollten wir zuallererst für den Frieden und die Sicherheit der Gesellschaft beten, in der wir leben.

Diese Worte sind nicht nur Kritik an den Machthabern zu Lebzeiten des Daishonin. Sie sind vor allen Dingen ein Praxisleitfaden für diejenigen von uns, die in einer demokratischen Gesellschaft leben.

Grundsätzlich können wir unsere persönliche Sicherheit nicht gewährleisten, wenn wir uns isolieren. Damit jede und jeder Einzelnen von uns sicher und beschützt leben kann, müssen wir dafür Sorge tragen, sowohl in unserer natürlichen Umgebung als auch in der Gesellschaft Frieden und Stabilität zu voller Blüte zu bringen.

Wenn wir also wirklich persönliche Sicherheit anstreben, dann müssen wir zuerst unser kleines, von Egoismus geleitetes Selbst überwinden. Wir müssen für die Verwirklichung von Frieden und Stabilität in unserer Gesellschaft arbeiten – uns also für Ruhe in allen vier Himmelsrichtungen des Landes einsetzen. Das ist die Kernbotschaft des Daishonin.

Die Wortwahl des Daishonin „Ruhe in allen vier Himmelsrichtungen des Landes“, verdeutlicht, dass es ihm um mehr ging als nur die Sicherheit eines einzelnen Landes: Er wollte den Frieden für die ganze Welt."

http://www.sgi-d.org/mitglieder/studium/sgidepeschen/2016/ueber-das-etablieren-der-richtigen-lehre-fuer-frieden-im-land

Um zum Schluss noch einmal auf die drei Hindernisse und sieben Katastrophen zurück zu kommen: Die können wir ja heutzutage genau so beobachten wie damals. Immer noch! Und wir verstehen heute sogar besser, dass viele dieser Katastrophen von den Menschen selbst verursacht werden.

Nichirens Erklärung lautet für alle Arten dieser Katastrophen, dass sowohl die politisch Verantwortlichen als auch das Volk sich gegen die richtige Lehre gewendet haben.

Was ist die richtige Lehre?

Es ist nach Auffassung des Buddhismus Nichirens und der SGI die Lehre der Humanität, des gegenseitigen Respekts, der Wertschätzung des Lebens anderer Menschen, sowie der Umwelt insgesamt.

 

Zu den 'three calamities and seven disasters', siehe: http://www.nichirenlibrary.org/en/dic/Content/T/106

http://www.nichirenlibrary.org/en/dic/Content/S/91

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