Ichinen sanzen 一念三千

Dreitausend Welten in einem einzigen Augenblick des Lebens

ichi = 1       nen = Gedanke, Idee         san = 3         sen = 1.000

Ein einziger Augenblick des Lebens wird auch übersetzt mit: Ein Gedanke oder ein Gedankenaugenblick. Die Zeitspanne beträgt laut einer Abhandlung ein Sechzigstel der Zeit eines Fingerschnippens. Also etwas, das sich im Hundertstelsekundenbereich abspielt.

Das Lotos-Sutra spricht vom 'einen Augenblick des Glaubens und des Verstehens'.

T'ien-t'ai (538-597) spricht davon, dass ichinen den Geist, den Verstand, das Herz, das Bewusstsein oder die innere Welt eines Menschen bezeichnet, die in jedem Augenblick mit dem Potential von sanzen, also dreitausend möglichen Lebens-zuständen (Welten) ausgestattet ist.

Das Potential dieser dreitausend Welten durchdringt das gesamte Universum, beinhaltet sowohl Körper als auch Geist, beinhaltet sowohl Selbst als auch Umgebung, lässt Gutes sowie Böses entstehen und beinhaltet gleichzeitig Ursache und Wirkung (Das Potential dieser dreitausend Welten ist also mit anderen Worten Nam-Myoho-Renge-Kyo).

Nichiren (1222-1282) verkörperte dieses philosophische Gerüst in Form eines Mandalas, das wir als Gohonzon kennen. Dadurch wollte er für gewöhnliche Menschen einen praktikablen Weg bereiten, auf dem sie die Buddhaschaft aus dem innewohnenden Potential ihrer eigenen Leben heraus manifestieren können.

1/60 Fingerschnipp

Menschen durchlaufen also in einer äußerst kurzen Zeitspanne verschiedenste Lebenszustände. Im einen Augenblick wollen sie was haben - im nächsten Augenblick kann diese Begierde befriedigt werden oder nicht, man freut sich oder ist frustriert. Mein neidet dem Nachbar, dass er das gekriegt hat was man selber wollte und hat den Impuls, es ihm einfach abzunehmen. Man versinkt im Selbstmitleid bis irgend ein neuer Impuls einen ablenkt und auf andere Gedanken bringt.

Das kennen wir alles, so ist das Leben - denken wir.

Das Lotos-Sutra beschreibt unter anderem einen Mechanismus, der aus vier der dreitausend Möglichkeiten besteht: Nyo se in, nyo se en, nyo se ka, nyo se ho.

Das bedeutet: Innere Ursache, Äußere Ursache, Innere Wirkung, Äußere Wirkung

Diese vier Faktoren beschreiben, dass eine äußere Ursache, z.B. eine Umgebung in der ich mich befinde, etwas, das mir passiert, jemand, dem ich begegne, etwas was jemand zu mir sagt, alles, was ständig durch Augen, Ohren, Zunge, Nase, Haut an Reizen und Eindrücken reinkommt, eine Beziehung zu meiner ganz persönlichen inneren Veranlagung knüpft, die mich Dinge so oder so bewerten lässt.

Gemäß meiner inneren Veranlagung oder anders gesagt, gemäß meines Karmas reagiere ich.

Ein Lebenszustand wird angeregt und aktiviert, blitzschnell, quasi gleichzeitig, das ist die innere Wirkung und darauf folgt eine äußere Wirkung: Ich reagiere und handle mit Gedanken, Worten und Taten aus diesem soeben aktivierten Lebenszustand heraus auf die äußere Ursache.

Die Hilfsursache

Im wortwörtlichen Sinne ist mein Karma das, was ich tue. Wie wir gesehen haben, handle ich aber aus einer inneren Veranlagung heraus, die ich mir vorher selber zugelegt habe. Das bezeichnet man dann auch als Karma.

Dabei ist die äußere Ursache immer unschuldig. Deshalb wird sie auch als Hilfsursache bezeichnet. Sie hilft dem in mir schlummernden karmischen Samen, schlagartig aufzugehen: Ein Musikstück ruft im einen Menschen Zustimmung und im anderen Ablehnung hervor.

Dem einen sagt einer guten Tag und der denkt: Was will der jetzt von mir. Dem nächsten sagt er auch guten Tag und der denkt: Is' ja nett. Der Grund liegt in der unterschiedlichen inneren Veranlagung dieser Personen auf die gleichen äußeren Ursachen zu reagieren.

Beim Ärgern ist die deutsche Sprache sehr präzise: Ich ärgere mich - über. Ich benutze den äußeren Anlass, um mich gemäß meines Karmas damit zu ärgern.

Gemäß der Lehre des Buddhismus Nichirens bin ich für meine inneren Ursachen, mein Karma 100% selbst verantwortlich.

 

 

 

 

 

Quellen:

Ichinen: http://www.nichirenlibrary.org/en/dic/Content/I/2

Ichinen Sanzen: http://www.nichirenlibrary.org/en/dic/Content/T/176

Zehn Faktoren: http://www.sgi-d.org/philosophie/prinzipien/die-zehn-daseinsfaktoren

und: Kirimura, Grundzüge des Buddhismus, S. 65

Joomla templates by a4joomla