Studium Sept. 2016 - Der Beweis des Lotos-Sutras

"Wie zeigt der Spiegel des Lotos-Sutras jene Menschen, die in der üblen Welt des späten Zeitalters genau so an die Lehren des Lotos-Sutras glauben wie sie dort dargelegt werden?" Mit diesen Worten beginnt der Brief Nichirens an Nanjo Tokimitsu, den Nichiren bereits als 'Ueno den Weisen' bezeichnet hatte, als er zwanzig Jahre alt war. Sein Einsatz für die Mitglieder während der Atsuhara Verfolgung war mit Sicherheit lebensrettend für viele Mitglieder. Er setzte sich mit jugendlichem Mut und Überzeugung für die Sache Nichirens ein.

Daher lobt Nichiren ihn mit den Worten, dass es hier um jemanden geht, der das Lotos-Sutra buchstabengetreu ausübt. Und Nichiren betont weiter, dass es sich bei der Tatsache, dass man nach all den guten Ursachen vergangener Leben in diesem Leben wieder weiter an das Lotos-Sutra (sprich: den Gohonzon) glauben kann, um eine außerordentlich wunderbare, seltene Wirkung handelt, die man nicht hoch genug schätzen kann.

Er schreibt weiter: "Jeder, vom Herrscher bis hinunter zum gemeinen Volk, weigert sich an meine Lehren zu glauben. Sie fügen den Wenigen, die sie annehmen, Schaden zu indem sie ihre Anwesen und Felder mit hohen Steuern belasten oder sie beschlagnahmen, oder sie in einigen Fällen sogar töten. Es ist also ein schwieriges Unterfangen, an meine Lehren zu glauben, und doch wagten Ihre Mutter und Ihr verstorbener Vater es, sie anzunehmen. Nun sind Sie ihrem Vater als dessen Erbe gefolgt, und aus freien Stücken und von ganzem Herzen haben auch Sie diese Lehren angenommen. Viele Menschen, von hohem wie von niederem Rang, haben Sie ermahnt oder bedroht, doch Sie weigerten sich, Ihren Glauben aufzugeben. Da Sie nun so weit sind, dass Sie sicherlich die Buddhaschaft erlangen, benutzen der himmlische Teufel und die bösen Geister vielleicht Krankheit um zu versuchen, Sie einzuschüchtern. Das Leben auf dieser Welt ist begrenzt. Fürchten Sie sich niemals, nicht im Geringsten!"

"Weil nun", nachdem Nanjo Tokimitsu sich so eifrig gewidmet hat, "sicher scheint, dass er die Buddhaschaft verwirklicht", erscheinen innere Hindernisse, wie, in diesem Fall, eine ernste Krankheit. "Das Leben auf dieser Welt ist begrenzt." schreibt Nichiren. Im Japan des 13. Jahrhunderts führten Verletzungen oder nach heutigem Stand harmlose Krankheiten oft schon in jungen Jahren zum Tod. Man wusste wenig über Infektionen oder Viren und es gab nur naturheilkundliche Mittel aus Kräutern oder Erden. Aber Nichiren, der sich um seinen jungen Schüler sorgte, schreibt: "Fürchten Sie sich niemals, nicht im Geringsten!" Die Angst vor dem eigenen Tod ist die Grundangst, auf die alle anderen Ängste schließlich zurückführen. Sich ihr zu ergeben, bedeutet, sich zu schwächen, vielleicht viel zu früh aufzugeben. Nichiren möchte, dass sein Schüler gegen den Dämon einer schweren Krankheit kämpft, und dieser Kampf würde in seinem Kopf stattfinden, es wäre der Kampf um die innere Einstellung gegenüber der Krankheit.

Deshalb schreibt Nichiren, dass "der himmlische Teufel und die bösen Geister vielleicht versuchen, ihn durch Krankheit einzuschüchtern."

Der himmlische Teufel ist niemand anders als der Teufelskönig des sechsten Himmels (dairokuten-no-mao 第六天の魔王). Er wohnt im sechsten Himmel der Welt der Begierde, dem 'Himmel des hemmungslosen Auskostens der Bemühungen anderer'. Er ist der vierte der vier Teufel: 1. Der Teufel der fünf Komponenten, 2. der Teufel der irdischen Begierden, 3. der Teufel des Todes und 4. der himmlische Teufel.

Zusammen mit den drei Hindernissen der irdischen Begierden, dem Karma und Vergeltung bilden sie die so genannten drei Hindernisse und vier Teufel, sansho-shima [三障四魔], die allesamt Funktionen unseres Lebens beschreiben, die einen im Glauben behindern und von der Ausübung abhalten wollen.

Diese inneren Kräfte der sansho-shima sind Teil des Lebens selbst und somit auch in uns vorhanden. Daher steht der himmlische Teufel auch als Funktion unseres Lebens im Gohonzon. In der zweiten Reihe von oben stehen die himmlischen Wesen: die Großen Himmelkönige Sonne, Mond und Sterne, Indra und Brahma, sowie der Teufelkönig vom sechsten Himmel (rechts in der Mitte). Siehe auch:

http://www.ipoderia.com/airportfiles/gohonzon-das_objekt_der_verehrung.pdf für eine Gohonzon-Landkarte mit Erklärung.

Wenn ich als Praktizierender meine Gebete einsetzen will, um Hindernisse oder Krankheiten zu besiegen, dann kann es sehr nützlich sein, sich solche Wesen vorzustellen und beim Chanten mit ihnen in einen inneren Dialog zu treten: "Du kriegst mich nicht! Ich stelle mich dir entgegen! Ich lasse mich nicht besiegen! Du wirst verlieren und dann bist du gezwungen, mir zu dienen!"

Es ist wichtig, gegenüber einer Schwierigkeit eine kämpferische Haltung einzunehmen. Deshalb sagt Präsident Ikeda immer, dass es im Buddhismus um Sieg oder Niederlage geht. In seiner Ermutigung vom 18. September heißt es:

"Du machst aus deinen Leiden den Brennstoff für Wachstum.

Du machst aus deinen Mühen die Kraft der Ermutigung.

Mit dem Glauben kannst du allem einen Sinn geben.

So wird aus deinem Leben unfehlbar ein Siegeslied."

Es ist sinnlos, krank zu werden, grade in dem Augenblick, wenn es einem am besten geht. Wenn man sich auf dem Höhepunkt seines Lebens wähnt, voller Kraft, Zuversicht, Entschlossenheit für kosen-rufu und plötzlich: Patsch, Vollbremsung, irgend eins der drei Hindernisse oder vier Teufel stellt dir ein Bein! "Der Weise freut sich, der Dumme haut ab." Das bedeutet, dass man offenbar sinnlosen Dingen mit dem Glauben an den Gohonzon einen Sinn geben kann. Dieser Sinn liegt in unserem Ermessen und wird durch unser Gebet zu unserer innewohnenden Buddhaschaft klar. In Nanjo Tokimitsus Fall war es so, dass die Krankheit ihn mit der Angst vor dem Tod einschüchtern wollte und seinen reinen Buddhazustand, der bereits erblühte, damit zur Seite geschoben hätte.

In der Gosho 77 'Die Drei Hindernisse und vier Teufel' heißt es daher:

"Es gibt definitiv etwas Außergewöhnliches an Ebbe und Flut der Gezeiten, am Auf- und Untergang des Mondes und an der Art und Weise wie Sommer, Herbst Winter und Frühling einander abwechseln. Etwas Ungewöhnliches geschieht auch, wenn ein gewöhnlicher Sterblicher die Buddhaschaft verwirklicht. Zu dieser Zeit erscheinen ausnahmslos immer die Drei Hindernisse und Vier Teufel; der Weise freut sich, während der Dumme den Rückzug antritt. 

Die Ebbe unseres Inneren wird geflutet von den Wogen der Buddhaschaft. Die Dunkelheit unseres inneren Winters wird von der Frühlingssonne gewärmt und schließlich von der vollen Sommersonne unserer erwachten Buddhaschaft mit dem Strahlen eines wunderbaren Lebenszustandes erfüllt. Aber wenn das passiert, dann sagt die Ebbe schon: Ich komme! Der Herbst und der Winter stehen unausweichlich bereit, den Sommer wieder abzulösen. Genauso wollen es auch die drei Hindernisse und vier Teufel oder die fundamentale Dunkelheit haben. Sie erscheinen automatisch und wollen Ebbe machen.

Begierden, die uns ablenken, Habgier, Ärger, Dummheit. Oder unser Karma holt uns ein: Menschen, die uns am nächsten stehen, lenken uns vom Gohonzon ab. Oder in der Umgebung, am Arbeitsplatz, in der Politik, der Gesetzgebung gibt es plötzlich Regeln, die verbieten, dass ich praktiziere. Körperliche Befindlichkeiten, Begegnung mit dem Tod oder schlussendlich der Gedanke, 'Buddhaschaft, das ist doch nur eine Erfindung, das gibt es gar nicht, das habe ich nicht, das kann ich nicht glauben, und besonders: Das kann ich nicht sehen!'

So, und wenn wir endlich davon überzeugt sind, dass wir die Buddhaschaft nicht sehen können, dann freut sich der himmlische Teufel unserer eigenen karmischen Tendenz, denn er konnte die Bemühungen des Buddhas unserer eigenen karmischen Tendenz mal wieder hemmungslos auskosten.

Bleibt nur die Frage, welche dieser inneren Möglichkeiten wir fördern möchten.

Präsident Ikeda schreibt am 11. September:

"Je mehr du studierst, desto tiefer wird deine Überzeugung.

Je mehr du sprichst, desto höher wird dein Lebenszustand.

Zusammen mit den geschätzten Freunden,

die jetzt die Prüfung in der buddhistische Philosophie machen,

fordere dich jetzt heraus auf den zwei Wegen von Ausübung und Studium

– voller Freude und mit der Entschlossenheit,

Nichirens Schriften mit Leib und Seele zu beherzigen."

 

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Quellen: http://www.nichirenlibrary.org/en/wnd-1/Content/77#para-6  

und: http://www.nichirenlibrary.org/en/wnd-1/Content/165   (Übersetzungen von Michael)

 

Weiterführender Artikel über Nanjo Tokimitsu auf dubistbuddha.de

 

Studienmaterial zum Thema Krankheit:

SGI-Depeschen 2009.2 und 2009.3, abrufbar auf der SGI-D homepage im Mitgliederbereich unter den Depeschen des Jahres 2009

http://www.sgi-d.org/mitglieder/studium/sgidepeschen/2009/2009.2_MED_Durch_Krankheit_lernen.pdf

http://www.sgi-d.org/mitglieder/studium/sgidepeschen/2009/2009.3%20MED%20Buddhismus%20und%20Medizin.pdf

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